Gebetshaus Bad Rotenfels

Nahe ist der Herr allen, die IHN anrufen, allen, die IHN in Treue anrufen!      Ps 145,18

Virtueller Adventskalender 2019 - Impulse
Sa. 07. Dezember: Er entfernt die Schuld von uns

"Der Herr ist barmherzig und gnädig,
langmütig und reich an Güte.
Er wird nicht immer zürnen,
nicht ewig im Groll verharren.
Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden
und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld.
Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.
So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang,
so weit entfernt er die Schuld von uns."
Psalm 103,8-12


"Groß bist du, o Herr, und überaus preiswürdig; groß ist deine Stärke, und deiner Weisheit ist kein Ziel gesetzt". Und dich will loben der Mensch, ein winziger Teil deiner Schöpfung, ein Mensch, der schwer trägt an der Bürde seiner Sterblichkeit, schwer trägt auch am Zeugnis seiner Sünde und am Zeugnis, dass du den Stolzen widerstehest. Und dennoch will dich loben der Mensch, selbst ein Teil deiner Schöpfung. Du selbst bringst ihn dazu, in deinem Lobpreis eine Herzensfreude zu suchen, denn geschaffen hast du uns auf dich hin, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir
A. Augustinus

Fr. 06. Dezember: Aufrichtig

Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, allen, die zu ihm aufrichtig rufen.
Ps 145,18

Schon beim ersten Lesen fällt mir ein Wort ins Auge: „aufrichtig“. Aufrichtigkeit soll eine Voraussetzung sein, damit mir Gott nahe ist?

Dass ich ihn anrufen kann und um seine Nähe bitten, das ist mir nicht fremd. Stutzen lässt mich, dass der Autor des Psalms so deutlich die Ergänzung anfügt, dass es dazu schon das richtige Rufen braucht. Ich stutze, weil ich auch spüre: Aufrichtig sein, das bedeutet, mit mir in Beziehung zu treten. Und alles, was ich da bei mir entdecke und wahrnehme, dem Gegenüber zu zeigen.

Es geht wohl darum, mich meinem Gott so zu zeigen, wie ich bin. Ehrlich zu dem zu stehen, was mich ausmacht und was mir fehlt. Unverfälscht zu äußern, was in meinem eigenen Inneren ist. Tatsächlich meinen Gefühlen zu trauen und diese unverfälscht auszudrücken. Mit meiner Seele in Kontakt zu kommen und dann mit meinen Ängsten und Hoffnungen, meinen Fragen und meinen Antworten meinen Gott, meinen Bruder und Freund Jesus anzurufen.

Das will ich heute mal ausprobieren. In einer ruhigen Zeit, vielleicht heute nach einem früheren Feierabend und an einem bewusst gewählten Ort wie einer Kirche oder Kapelle: Mit mir in Kontakt treten und meine Seele spüren. Und Gott mit meinem Dank und meinen Anliegen anrufen.

Der Autor des Psalms jedenfalls macht mir Mut: Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, allen, die ihn aufrichtig anrufen:
M. Essig

Do. 05. Dezember: Warum hast du mich verlassen?

Als die sechste Stunde kam, brach über das ganze Land eine Finsternis herein. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Und in der neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eloï, Eloï, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Mk 15,33-34


Die erste Adventswoche: Noch gehen wir mit einigermaßen ruhigen Schritten auf Weihnachten zu, es ist noch Zeit für Adventsbummel und Weihnachtsmarktbesuche. Wir freuen uns auf den Nikolaustag und das kommende Weihnachtsfest, warten auf das Kommen Gottes zu den Menschen – und hier ist nun zu lesen, wie wir Menschen ihn bereits ans Kreuz genagelt haben. Was soll das?

Das himmlische Kind liegt noch nicht einmal in der Krippe, und schon reißen wir es dort heraus und legen es aufs Kreuz. Gottverlassen. Nein, wirklich - was soll das?

Völlig quer stehen diese beiden Bibelverse zur üblichen Adventsstimmung. Und doch erschallt der verzweifelte Ausruf des gekreuzigten Jesus genau zur richtigen Zeit. Denn tatsächlich ist dieser Ruf Jesu das hörbare Signal, dass der „Advent“, die Ankunft Gottes bei den Menschen, Wirklichkeit ist.

Gott kommt zu den Menschen. Mehr noch, er kommt uns in Jesus auch noch ganz nah! So nah, wie nur irgend möglich; eigentlich sogar näher als möglich. So nah, wie es nur Gott möglich ist: So nah, dass er selbst Mensch wird - und schließlich auch das Leid, auch das Gefühl der Gottverlassenheit, ja sogar das Sterben mit uns Menschen teilt.
Das beginnt in Bethlehem, das beginnt damit, dass er nicht in einem Palast, einer antiken Villa oder wenigstens in einer Herberge zur Welt kommt, sondern in einem Stall.

Das führt ihn schließlich bis nach Jerusalem, wo er nicht - seiner himmlischen Herkunft angemessen - einen Thron oder ein „Allerheiligstes“ besteigt, sondern alleingelassen am Kreuz stirbt. Von Menschen verhöhnt, von Gott augenscheinlich verlassen - in dieser völligen Ferne ist er uns ganz nah.

Was für ein Geschenk kommt da an Weihnachten auf uns zu: Wir können uns der Liebe eines Gottes anvertrauen, der eben nicht von Ferne herrscht, sondern der unsere Angst, unsere Gottverlassenheit, ja sogar das Grab von innen kennt! So nah kommt uns Gott, so nah  i s t uns Gott. „Du bist mir näher als ich mir selbst bin“ – betet der nordafrikanische Bischof Augustinus um 400 in seinen „Bekenntnissen“ zu Gott; diese Worte bete ich mit…
O. Weidermann

Mi. 04. Dezember: Wo ist nun dein Gott?

"Ich sage zu Gott, meinem Fels:
"Warum hast du mich vergessen?
Warum muss ich trauernd umhergehen,
von meinem Feind bedrängt?"
Wie ein Stechen in meinen Gliedern
ist für mich der Hohn der Bedränger;
denn sie rufen mir ständig zu:
"Wo ist nun dein Gott?"
Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
meinem Gott und Retter, auf den ich schaue."
Ps 42,10-12


Es tut weh, wenn jemand sich über etwas lustig macht, das einem am Herzen liegt. Mir ist der Glaube wichtig. Die Frage „Wo ist nun dein Gott?“ fährt mir in die Glieder. Es schmerzt, wenn jemand mein Gottvertrauen als sinnlos oder naiv betrachtet. Gott hat mich doch ins Dasein gerufen - und bei meinem Namen! Auch wenn ich ihn im Alltag aus den Augen verliere, schaut er mich immer liebevoll an.

„Wo ist nun dein Gott?“ Das ist ja eigentlich gar keine Frage, sondern eine Feststellung. Wie soll ich mich verhalten? Ich werde zuerst den Schmerz wahrnehmen, den ich empfinde, wenn Gott in weite Ferne verwiesen und sein Wirken geleugnet wird. Meist sind diese Leugnungen nicht so direkt, sondern unauffälliger. Viele denken: Wer Gottes Wirken nicht beachtet, leugnet ihn doch noch lange nicht. Aber wenn Gott wirklich mein Fels und Retter ist, gilt doch geradewegs das Gegenteil: Wenn ich nicht wahrnehme, dass ich aus Gottes Kraft und eben nicht aus eigener lebe, leugne ich bereits Gott.

So werde ich im Advent bewusst meine Wahrnehmungsfähigkeit schulen: Ein Mensch kommt auf mich zu. Eine zufällige Begegnung? Nein, die Begegnung fällt mir von Gott her zu, der mir durch diesen Menschen etwas sagen will. Oder plötzliche Momente innerer Freude und Stimmigkeit: Alles ist in Ordnung, ich spüre Wärme im Körper und Wohlsein im Geist. Oder es steigt die Sehnsucht zu beten in mir auf.

Mein Schmerz darf keine Ablehnung oder Antipathie gegen den Menschen in sich tragen, der meinen Glauben infrage stellt. Ich möchte diesen Menschen annehmen, ja lieben. Beide sind wir von Gott aus Ackerboden geformt. Und beide werden wir ständig von seinem Atem belebt.
W. Steffel


Di. 03. Dezember : Ich bin da

Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der «Ich-bin-da». Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der «Ich-bin-da» hat mich zu euch gesandt.
Exodus 3,14

Dornbusch, Distel, Stechapfel, Schlehe, Berberitze, Kaktee.
Keine Rose ohne Dornen
Kein Wald ohne Gestrüpp
Kein Herz ohne Stacheln, nach innen oder nach außen
Kein Leben ohne Schmerz
Kein Mann ohne Schuld
Keine Frau ohne Scham
Kein Ort ohne Gott?

Einmal fragte ein Mann Rabbi Josua ben Karechah: "Warum wählte Gott einen Dornbusch, um aus ihm mit Mose zu reden?" Der Rabbi antwortete: "Ich sage dir: Gott hat den ärmlichen und kleinen Dornbusch gewählt, um dich zu belehren, dass es auf Erden keinen Platz gibt, an dem Gott nicht anwesend ist. Noch nicht einmal einen Dornbusch."

Dornbusch, Distel, Stechapfel, Schlehe, Berberitze, Kaktee.

Im Dorngestrüpp deines Lebens, jenseits von Glanz und Gelingen und Höher-Schneller-Weiter, kann es passieren, dass Gott dir begegnet.
Du erschrickst dann wie Mose, weil du meinst, zu jung, zu alt, zu klein, zu dick, zu dünn, zu dumm, zu schuldig, zu peinlich, zu irgendwas zu sein.

Du erschrickst und wünschst dir vielleicht, dass nicht du gemeint bist. Dass es sich um einen Irrtum handelt und alles bleibt wie zuvor und du weiter Schafe hüten oder andere bewundern oder Blumen gießen oder Diäten machen kannst.

Dann wird Gott dir den Namen geben, seinen Namen: Ich bin da. Den Namen gegen das Alles-bleibt-wie-es-war. Den Namen gegen das "Ich bin nicht gut genug." Den Namen gegen den Selbstzweifel.
B. Mattausch

Dornbusch, Distel, Stechapfel, Schlehe, Berberitze, Kaktee
Keine Rose ohne Dornen
Kein Wald ohne Gestrüpp
Kein Herz ohne Liebe
Kein Leben ohne Neubeginn
Kein Mann ohne Glück
Keine Frau ohne Glanz
Kein Gotteskind ohne Kratzer
Kein Ort ohne Gott,
der heißt: Ich bin da.

Mo. 02. Dezember: Du bist vertraut mit all meinen Wegen

Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen. Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - du, Herr, kennst es bereits.
Psalm 139, 1-3

Der Schutz der Intimsphäre ist für ein menschenwürdiges Leben unerlässlich. Gerade Prominente können ein Lied davon singen. Auf Schritt und Tritt beobachtet, müssen sie damit rechnen, dass intime Details ihres Lebens – medial aufbereitet – öffentlich ausgebreitet werden. Besonders, wenn Scheitern, Schuld und Versagen im Spiel sind, scheint das öffentliche Interesse ausgeprägt.

Wie aber ist das mit Gott? Er weiß alles, hört alles, sieht alles. Ihm bleibt kein Gedanke, kein Wort, kein Geheimnis verborgen. Gott – ein Kontroll-Freak? Wer will schon immer beobachtet, womöglich kontrolliert werden. Nicht zu leugnen, dass durch die Kirche auch ein solches Gottesbild verbreitet wurde (und hoffentlich nicht mehr wird)!

Der Dichter der Psalmen-Verse teilt seine Erfahrungen mit: Gott will mir nicht Angst machen, sondern Hoffnung stiften; er will mich nicht einengen, sondern zum Leben befreien. Dieser Gott, der mich ins Leben geschaffen hat, ist für mich da, er weiß um mich und er sorgt sich um mich. Wenn einer so für mich da ist, kann ich mich ganz gelassen unter seine Führung stellen. Ich weiß, dass mein Leben, das ich selbst gestalte und lebe, gelingen wird. Denn was auch geschieht: Die Zusage Gottes – sein Ja zu mir – ist unverbrüchlich.
M. Schneider

So gehe ich in der Kraft meines Gottes,
nichts kann mich schwächen.
Ich gehe in der Kraft seines Geistes,
nichts kann mich entmutigen.
Ich gehe in der Kraft seiner Liebe,
nichts kann mich davon abhalten.
In Gottes Segen gehe ich.

So. 01. Dezember, 1. Adventssonntag: Anklopfen

Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.
Offenbarung 3,20


Hast du schon einmal vor einer Tür gestanden, angeklopft - und es dauerte und dauerte, bis jemand endlich  »herein« rief? Wahrscheinlich nicht nur einmal. Jeder, jede, kann davon erzählen, auch was wir dabei fühlten. Manchmal empfanden wir das Warten wie eine Ewigkeit, wurden unruhig, ungeduldig oder hatten Angst, abgewiesen zu werden. Ein gutes Gefühl dagegen, wenn uns jemand mit Freude erwartete.

Die Adventszeit lenkt unsere Aufmerksamkeit auf jemanden, der vor unserer Tür steht. Jesus von Nazareth. Er fällt nicht mit der Tür ins Haus. Überrumpelt mich nicht. Klopft an. Ruft unaufdringlich. Wartet geduldig. Bis ich ihn herein bitte. Zu mir ganz persönlich. In mein Lebenshaus, meine augenblickliche Lebenssituation, in günstige oder weniger günstige Lebensumstände.

Der, den ich vielleicht schon lange weit weg und fern von mir empfand, ist mir ungeahnt näher, als ich es mir vorstellen kann. Sein Name steht für Treue und Zuverlässigkeit, für gastfreundliche Verbundenheit wie bei einem Festmahl. Seine Stimme ist einladend, nicht laut, tut gut. Ihm die Tür zu öffnen, bringt Leben ins Haus. Macht Lust aufzuräumen und die Wohnräume besser, sinnvoller und schöner zu gestalten.

Eine Freude auch für die Menschen, die mir bisher so unendlich fern und fremd erschienen. Meine Tür steht für sie offen. Ich kann mich ihnen öffnen, sie anhören, für sie da sein. Sollte ich Jenen draußen vor der Tür stehen lassen? Möglicherweise überhöre ich sein Anklopfen, seine Stimme im Alltagstrubel. Gott wartet. Und übertrifft alle meine Erwartungen.
H. Janssen


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